Das Einfamilienhaus in der politischen Diskussion – ist ein Verbot richtig?

Es ist einer der Urwünsche der Deutschen: Ein Einfamilienhaus mit Garten. Was dabei herauskommt? Meistens leider nicht die Villa im Grunewald, sondern oft nur ein schmales Häuschen am Stadtrand. Mit einem umlaufenden Rasenstreifen, der gerade so breit ist, wie es das Abstandsflächengebot in § 6 der Bauordnungen erlaubt. Dafür werden die Ersparnisse geopfert. Wird eine etwa 30 Jahre andauernde Verschuldung – häufig Überschuldung – sowie morgens und abends der kilometerlange Weg zur beziehungsweise von der Arbeitsstelle, stundenlange Staus sowie der Verlust an Lebenszeit in Kauf genommen.

Hinzu kommt der dadurch verursachte Flächenverbrauch für die Baufelder verbunden mit dem Verlust zuvor oft landwirtschaftlich genutzter Flächen. Weitere Begleiterscheinungen: Der Bau breiter Verkehrswege, die des morgendlichen und abendlichen Staus dennoch nicht Herr werden. Die Überforderung von kleinen Gemeinden am Rande der Ballungszentren mit der Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser usw.

Diese Wohnform entstand in der Gartenstadtbewegung als Alternative zu den engen, hygienisch problematischen Arbeitersiedlungen des 19. Jahrhunderts. Sie eröffnete die Möglichkeit, die Kinder in Sonne und frischer Luft großzuziehen, und die karge Entlohnung des Industriejobs durch Erwerbsgärtnerei etwas aufzubessern. Die heutige Bedeutung liegt tatsächlich immer noch in dem Wunsch begründet, naturnah zu leben und in dorfartigen Gemeinschaften mit überschaubarer Größe der Anonymität der Großstadt zu entfliehen.

Die eingangs geschilderten Konsequenzen der unverstandenen Übersetzung dieser Wohnform in unsere Zeit sind jedoch nicht mehr hinnehmbar. Vor allem die damit verbundene soziale und kulturelle Segregation und die häufig einhergehende Entfremdung der Frau vom Arbeitsleben entspricht nicht dem heutigen Verständnis von Gleichberechtigung, kultureller Vielfalt und persönlicher Entfaltung.

Was ist die Alternative? Der zunehmende Bedarf an Wohnraum ergibt sich aus dem Zuzug in die Ballungsgebiete, dem steigenden Bedarf an Wohnfläche und der Zunahme der Einpersonenhaushalte. Diese Herausforderungen können nur durch die Verdichtung der Innenstädte bewältigt werden. Allerdings reicht es hierbei nicht, die bestehenden Wohnformen in den schon existenten Großsiedlungen weiter zu verdichten und lediglich in Höhe und Breite zu multiplizieren. Auch hier muss ein Umdenken passieren, um die Attraktivität des Wohnens in der Etagenwohnung so zu steigern, dass der aktuell noch bestehende Wunsch nach dem Leben in der Einfamilienhaussiedlung reduziert wird. Dem stehen heutzutage allerdings noch Förderbestimmungen und die Spirale: steigende Baukosten = hohe Mieten entgegen.

Um die hohen Baukosten wieder in den Griff zu bekommen, sollte über den Sinn und Unsinn vieler Normen und Bestimmungen nachgedacht werden, die unter Überschriften wie z.B. „Energieeinsparung, Brandschutz, Schallschutz, Langlebigkeit, Wohn-Komfort“ in diesen Teilbereichen das jeweilige Optimum zu erreichen suchen. Geht es nicht auch mit etwas weniger, damit die Mieten wegen der geringeren Herstellungskosten bezahlbar bleiben?

Die Anstrengungen sollten eher auf gut durchdachten, nutzbaren Grundrissen liegen. Dabei sollte auch mehr Raum für Cluster-Wohnformen für Großfamilien, WGs und alternative Lebensentwürfe Berücksichtigung finden. Die Flächen sollten dabei so flexibel sein, dass sich Singles einfach abspalten oder aber mehrere Kleinwohnungen zu einem Cluster zusammenschalten lassen.

Dazu gehört auch: Je attraktiver das Wohnen in den verdichteten Städten wird, desto geringer ist der Wunsch nach dem „Häuschen im Grünen“.

Köpenick: „Wohnen am Park“ mit 386 Wohnungen

Für die DEGEWO als Bauherr haben ioo Architekten zusammen mit der Firma Bunte den Bau neuer Wohnungen im Köpenicker Ortsteil Hessenwinkel begonnen. Im Südosten Berlins entstehen 35 Mehrfamilienhäuser mit 386 Wohnungen für junge Familien, Paare, Singles und Senioren. Die Hälfte der Wohnungen besteht aus drei Zimmern oder mehr und sind somit für Familien mit Kindern geeignet. Das städtebauliche Konzept wurde aus der vorhandenen Geländetopografie und den naturräumlichen Gegebenheiten entwickelt. Die nur zwei- bis dreigeschossigen, kleinteilig und in elementierter Bauweise geplanten Häuser fügen sich in die parkähnliche Landschaft ein. Unvermeidbare Baumfällungen werden durch Neupflanzungen kompensiert. So entstehen großzügige Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität. Bezug der Häuser 2023.

Willkommen 2021 – we care

Wir sind froh und stolz, dass wir es trotz der CoViD-19-Herausforderungen auch im vergangenen Jahr geschafft haben, unsere sehr guten Resultate aus den Vorjahren zu bestätigen. Neben den Planungen von verschiedenen gewerblichen Entwicklungen wurden im Jahr 2020 über 1500 Wohnungen an die Wohnungsbaugesellschaften übergeben. Deutlich mehr Wohnungen befinden sich aktuell in Planung.

Wir möchten diese Gelegenheit ebenso nutzen, um uns hier bei allen Kolleginnen und Kollegen noch einmal für das gute Teamwork bei der Umsetzung und Einhaltung der Hygieneregeln ganz herzlich zu bedanken. Auch wenn die Umstellungen und Anpassungen unseres Arbeitsalltags auf Grund der Pandemie teilweise nicht einfach waren, sind sie doch kaum mit den Herausforderungen zu vergleichen, vor denen der Gesundheitsbereich gestellt wurde.

Daher haben wir uns auch in diesem Jahr wieder dazu entschieden, auf Weihnachtspost und –präsente zu verzichten. Stattdessen wollen wir die Frauen und Männer mit einer Spende unterstützen, die den täglichen Kampf gegen CoViD-19 bestreiten. Diese Helferinnen und Helfer arbeiten häufig am Limit und ihnen gebührt unser aller Respekt dafür, Patientinnen und Patienten zu versorgen, regelmäßig über die Belastungsgrenze hinaus zu arbeiten und gleichzeitig mit den Sorgen um die eigene Gesundheit sowie der von Familie und Freunden umzugehen.

Wir haben uns also dazu entschlossen, mit #WeCare4You ein Projekt finanziell zu unterstützen, das sich um die Essensversorgung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der unmittelbaren Krankenversorgung an der Berliner Charité kümmert.

Auch auf diesem Wege ein großer Dank von uns allen an diese Helferinnen und Helfer.

Weitere Informationen zu #WeCare4You: https://www.betterplace.org/de/projects/78310-wecare4you-essenslieferdienst-fuer-medizinische-helfer

Rückblick und Ausblick: Wichtige Neubauprojekte für die STADT UND LAND

Bis zum Jahr 2026 hat sich die Berliner Wohnbauten Gesellschaft mbH STADT UND LAND zum Ziel gesetzt, durch Neubau und Ankauf ihren Bestand um zehn Prozent auf circa 55.000 Wohnungen zu erhöhen. Bereits im letzten Jahr konnten wir zur Unterstützung dieses ehrgeizigen Plans einen wichtigen Beitrag leisten, indem wir für das Wohnungsunternehmen zwei Neubauprojekte zum Abschluss brachten: Im Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf und im Brandenburgischen Ludwigsfelde entstanden insgesamt über 400 neue Wohnungen.

In der Albert-Kuntz-Straße in Berlin-Marzahn wurden von uns 284 neue Mietwohnungen mit einer Grundfläche (BGF) von insgesamt 23.300 m2 realisiert. Die insgesamt acht Wohnhäuser mit fünf bis sieben Vollgeschossen liegen nur fünf Gehminuten vom U-Bahnhof Louis-Lewin-Straße entfernt und in direkter Fußdistanz zu Kindergärten, Schulen und Parks.

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Brandenburg stellt sich vor allem im Speckgürtel nahe der Hauptstadt angespannt dar. Rund elf Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze in Ludwigsfelde haben wir 2020 in der dortigen Potsdamer Straße den Neubau zweier Mehrfamilienhäuser sowie 14 Reihenhäusern mit insgesamt 119 neuen Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten abgeschlossen. Hier lag die BGF insgesamt bei 10.700 m2.

Wir sind froh und stolz, im letzten Jahr die STADT UND LAND bei der Umsetzung ihrer Wachstumspläne zu unterstützen – und so unseren Beitrag zur Entspannung der Wohnungssituation in Berlin und Brandenburg zu leisten.

Zuschlag für Projekt Falkenberger Chaussee

Gemeinsam mit Kondor Wessels erhalten ioo Architekten den Zuschlag für ein 11-geschossiges Hochhaus in einem VOF-Verfahren, das von der HOWOGE ausgeschrieben wurde. In der Falkenberger Chaussee in Lichtenberg entstehen 139 Wohnungen, Gewerbeflächen im Erdgeschoss u.a. mit einem zeitgemäßen Supermarkt und Büroflächen im 1. OG. Der Kinderspielplatz wird auf dem Dach des Supermarktes als Stadtbalkon mit Blick in die Umgebung angelegt. Alle Wohnungen sind förderfähig geplant.

Bis in die Endrunde!

Beim VOF-Verfahren der HOWOGE für das Projekt Welsestraße haben wir die finale Entscheidungsrunde erreicht. In der Auswertung erzielte unsere Projektstudie bei den Unterkriterien „Architektur“ und „Grundrissqualität“ den ersten Platz. In der Welsestraße im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen entsteht eine Wohnanlage als moderne Komplettierung des sozialistischen Städtebaus mit Kita im Erdgeschoss und 110 Wohnungen. Aufgrund der spielerischen Fassade ist die Entwicklung einer eigenständigen architektonischen Positionierung vorgesehen, wie die Visualisierung unserer Studie es verdeutlicht. Schade, wir hätten hier gern gebaut!

Tag der Architektur:
Barbara Elwardt über Qualität am Bau

Was ist Baukultur? Woran erkennt man gute Architektur? Was kostet sie? Im Rahmen der Auftaktveranstaltung des „Tag der Architektur“ sprach ioo Gründerin Barbara Elwardt im neu aufgebauten bauhaus-reuse-Pavillon am Berliner Ernst-Reuter-Platz. Die Hauptstadt wächst und muss sich der Herausforderung stellen, unter eingeschränkten finanziellen Mitteln qualitativen sowie bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Mit neuen Ansätze der Nachverdichtung sowie reduzierten, aber qualitativen Materialen und effizienten Arbeitsweisen kann dies geleistet werden – wie Elwardt anhand des Beispiels des Projekts in der Kienholzstraße aufzeigte.

Der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger, und die Präsidentin der Architektenkammer von Berlin, Christine Edmaier, riefen zu mehr qualitätsvoller Architektur auf. Diese würde nicht nur das Wohlbefinden derer beeinflussen, die darin wohnen und arbeiten – sondern aller Bewohner der Stadt.